Vox-Latina-Gottingensis

Original und Nachdichtung

C. Plinius Secundus ep. 7.5

C. Plinius grüßt seinen Calpurnia

1

Du gaubst gar nicht, wie ich mich nach Dir sehne. Warum? Weil ich Dich lieb habe, und weil wir es nicht gewohnt sind, getrennt zu sein. Daher kommt es auch, daß ich einen großen Teil der Nacht wachend mit Deinem Bild vor Augen verbringe; daher, daß mich bei Tage zu den Stunden, wo ich mich Dir zu widmen pflegte, wie man ganz richtig sagt, die Füße selbst zu Deinem Budoir führen, und daß ich schließlich betrübt und niedergeschlagen, als hätte man mich nicht eingelassen, Dein leeres Gemach verlasse. Nur die Zeit, da ich mich auf dem Forum mit den Prozessen meiner Freunde abplage, ist frei von diesen Qualen.

2

Danach kannst Du Dir ein bild machen, was für ein Leben ich führe, der ich Ruhe in der Arbeit, Trost in Kummer und Sorgen suchen muß!

Leb' wohl!

Helmut Kasten 1979

C. PLINIUS CALPURNIAE SUAE S.

1

Incredibile est, quanto desiderio tui tenear. In causa amor primum, deinde quod non consuevimus abesse. Inde est, quod magnam noctium partem in imagine tua vigil exigo; inde, quod interdiu, quibus horis te visere solebam, ad diaetam tuam ipsi me, ut verissime dicitur, pedes ducunt, quod denique aeger et maestus ac similis excluso a vacuo limine recedo. Unum tempus his tormentis caret, quo in foro et amicorum litibus conteror.

2

Aestima tu, quae vita mea sit, cui requies in labore, in miseria curisque solacium!

Vale.