Original und Nachdichtung
P. Ovidius Naso
Metamorphosen XV, 871 - 879
(Shpragis)
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Sphragis |
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Und nun hab' ich ein Werk vollbracht, das Feuer und Eisen |
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Nimmer zerstört, noch Jupiters Zorn, noch zehrendes Alter. |
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Mag denn kommen der Tag, der nur am vergänglichen Leibe |
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Recht ausübt, und den Raum unsicheren Lebens beschließen |
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Trotz wird bieten der Zeit und über die hohen Gestirne |
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Schweben mein besserer Teil und nie mein Name getilgt sein. |
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Rings, so weit Roms Macht sich erstreckt in bezwungenen Ländern, |
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Wird mich lesen das Volk, und wofern nicht trugen der Dichter |
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Ahnungen, werd' ich stets fortleben in ferneste Zukunft. |
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Johann Heinrich Voß (1798) |
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Der Dichter und sein Werk |
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Habe vollbracht nun ein Werk, das nicht Juppiters Zorn, das nicht Schwert noch |
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Feuer wird können zerstören und nicht das gefräßge Alter. |
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Setze der Tag, dem nur ein Recht auf den Leib hier gegeben, |
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wann er nur mag ein Ziel meinem flüchtigen Dasein: ich werde |
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doch mit dem besseren Teil meines selbst mich über die Sterne |
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heben auf ewig und unzerstörbar wird bleiben mein Name. |
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Wo des Römers Macht auf bezwungenen Landen sich breitet, |
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wird mich lesen das Volk, und für alle Jahrhunderte werde - |
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ist etwas Wahres am Wort der Seher - im Ruhme ich leben. |
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Erich Rösch (1964) |
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Nachwort des Dichters |
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Nun habe ich ein Werk vollendet, das nicht Iuppiters Zorn, nicht Feuer, |
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nicht Eisen, nicht das nagende Alter wird vernichten können. |
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Wann er will, mag jener Tag, der nur über meinen Leib |
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Gewalt hat, meines Lebens ungewisse Frist beenden. |
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Doch mit meinem besseren Teil werde ich fortdauern und mich hoch |
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über die Sterne emporschwingen; mein Name wird unzerstörbar sein, |
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und so weit sich die römische Macht über den unterworfenen Erdkreis erstreckt, |
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werde ich vom Mund des Volkes gelesen werden und, sofern von den Vorahnungen |
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der Dichter auch nur etwas Wahres ist, durch alle Jahrhunderte im Ruhm fortleben. |
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Michael von Albrecht (1981) |
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Epilog |
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Und schon habe ich das Werk vollbracht, das nicht Jupiters Zorn, |
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nicht Feuer, nicht Schwert, nicht die allverzehrende Zeit auszutilgen vermag. |
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Wenn er will, setze jener Tag, der nur auf diesen Leib ein Anrecht hat, |
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meinem wechselvollen Dasein ein Ende. |
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Mit meinem besseren Teil werde ich mich unsterblich über die hohen |
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Gestirne erheben, unauslöschlich wird mein Name sein, |
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und so weit sich immer Roms Herrschaft über den bezwungenen Erdkreis erstreckt, |
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wird das Volk mich lesen, ja, durch alle Jahrhunderte hindurch werde ich, |
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wenn etwas Wahres an den Weissagungen der Seher ist, in meinem Nachruhm weiterleben. |
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Gerhard Fink (1989) |
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871 |
lamque opus exegi, quod nec Iovis ira nec ignis |
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872 |
nec poterit ferrum nec edax abolere vetustas. |
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873 |
cum volet, illa dies, quae nil nisi corporis huius |
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874 |
ius habet, incerti spatium mihi finiat aevi! |
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875 |
Parte tamen meliore mea super alta perennis |
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876 |
astra ferar, nomenque erit indelebile nostrum, |
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877 |
quaque patet domitis Romana potentia terris, |
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878 |
ore legar populi perque omnia saecula fama, |
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879 |
si quid habent veri vatum praesagia, vivam. |