Vox-Latina-Gottingensis

Original und Nachdichtung

Martial Epigrammata 12, 31

Das Geschenk der Marcella

Den Wald, die Brunnen, dies Gewölbe hoher Reben,

Dies Wasser, dem die Kunst den Schlangenlauf gegeben,

Die Trift, dies Rosenfeld, das zwier wie Pästum trägt,

Dies Beet, das grünes Kraut im Janusmonde hegt,

Den Aal, verschlossen jetzt in wohlverwahrten Teichen,

Den weißen Turm voll Tauben, die in Farb' ihm gleichen -

Dies kleine Königreich schenkst, Herrin, du nach mehr

Als dreißig Jahren mir bei meiner Wiederkehr.

Böt' auch Nausikaa mir ihres Vaters Garten,

Ich spräch': "Alkinous, laß mich des meinen warten!"

Martin Opitz 1597 - 1639

Geschenk von Marcella

Der Hain, die Quellen und der Schatten hier,

von hohem Weingerank gewebt,

der Fluß in seinem Bett, der alles wässernd führt,

die Wiesen und die Rosen, die den Blüten Paestums,

welche zweimal blühn, nicht nachstehn,

der Kohl, der schon im Monat Januar ergrünt

und nicht erfriert,

der Zuchtaal, der im Becken eingeschlossen schwimmt,

der strahlendweiße Taubenschlag, der Tauben von

demselben Weiß beherbergt -

das sind Geschenke von der Herrin: Dem

nach sieben Lustren Heimgekehrten gab

Marcella diese Häuser und dies kleine Königtum.

Und würde mir Nausikaa die Gärten ihres Vaters schenken,

dann könnte zu Alkinoos ich sagen:

"Die meinen lieb ich mehr."

Walter Hofmann 1997

1

Hoc nemus, hi fontes, haec textilis umbra supini

2

palmitis, hoc riguae ductile flumen aquae,

3

prataque neque bifero cessura rosaria Paesto,

4

quodque viret Iani mense nec alget holus,

5

quaeque natat clusis anguilla domestica lymphis,

6

quaeque gerit similes candida turris aves,

7

munera sunt dominae: Post septima lustra reverso

8

has Marcella domos parvaque regna dedit.

9

Si mihi Nausicaa patrios conceret hortos,

10

Alcinoo possem dicere 'Malo meos.'