Vox-Latina-Gottingensis

Original und Nachdichtung

Catull carmen 45

Akme und Septimius

Akme, seine Geliebte, auf dem Schoße

Haltend sagte Septimius: "Meine Akme!

Übermäßig hab' ich dich lieb und will auch

Jahr für Jahr dich beständig also lieben,

So arg, wie nur ein Mensch jemals imstand ist;

Sieh! Sonst mag mir's geschehn, daß ich, ganz einsam,

Sei's in Libyen, sei's im heißen Inder-

Land, dem tödlichen Blick des Leu'n begegne!"

Wie er dieses gesagt, niest Amor, herzlich

Es bekräftigend (sonst war er ihm abhold).

Akme, rückwärts ihr Köpfen leicht gebogen

Und die trunkenen Augen ihres süßen

Knaben küssend mit jenem Purpurmunde,

Sprach: "Mein Leben! O goldenes Septimchen!

Künftig dienen wir diesem Herrn alleine,

Ich wie du - so gewiß, als mir noch weit ein

Heißer Feuer im zarten Marke glühet!"

Wie er dieses gesagt, niest Amor, herzlich

Es bekräftigend (sonst war er ihm abhold).

Auf so günstige Zeichen nunmehr bauend,

Tauschen beide von Herzen Lieb' um Liebe.

Nur in Akme allein noch lebt Septimius,

Die ihm teurer als Syrien und Britannien,

Nur Septimius widmet Akme treulich

All ihr Süßes und alle Liebeswonnnen.

Kein glückselger Paar hat man gesehen,

Keine Liebe, so schön vom Gott besiegelt!

Eduard Mörike (1804 - 1875)

Duettino: Acme und Septimius

Auf dem Schoß seine liebste Acme haltend,

sprach Septimius: "Meine Acme, wenn ich

heillos, über die Maßen dich nicht liebe

und beharrlich in all den künftigen Jahren

lieben werde, so heillos wie nur einer,

soll mir, geh ich allein durch Libyen, Indien

hin, ein Löwe begegnen grimmen Blickes!"

Sprachs, und Amor, wie vorher auf der Linken,

gab durch Niesen von rechts her seinen Segen.

Acme aber, das Köpchen leicht hinneigend

und des süßen Geliebten trunkne Augen

mit den purpurnen Lippen küssend, sagt ihm:

"Amor laß uns, Septimchen, du mein Leben,

ihm, dem einzigen Herrn, auf ewig dienen!

Glühn doch heißer in meiner zarten Brust die

Flammen, die mich im Innersten versengen."

Sprachs, und Amor, wie vorher auf der Linken,

gab durch Niesen von rechts her seinen Segen.

So von günstigen Zeichen noch ermuntert,

tauschen liebend, geliebt sie Herz um Herze.

Einzig Acme begehrt Septimius, mehr als

Schätze Syriens und Britanniens Reichtum.

Einzig ihrem Septimius treu, sucht Acme

nur in ihm ihre Lust und Liebeswonne.

War ein Paar je beglückter, eine Liebe

je von günstigern Zeichen eingesegnet?

Otto Weinreich (1960)

1

Acmen Septimius suos amores

2

tenens in gremio: "Mea", inquit, "Acme,

3

ni te perdite amo atque amare porro

4

omnes sum assidue paratus annos,

5

quantum qui pote plurimum perire,

6

solus in Libya Indiaque tosta

7

caesio veniam obvius leoni."

8

Hoc ut dixit, Amor, sinistra ut ante,

9

dextra sternuit approbationem.

10

At Acme leviter caput reflectens

11

et dulcis pueri ebrios ocellos

12

illo purpureo ore saviata,

13

"Sic", inquit, "mea vita Septimille,

14

huic uni domino usque serviamus,

15

ut multo mihi maior acriorque

16

ignis mollibus ardet in medullis."

17

Hoc ut dixit, Amor, sinistra ut ante

18

dextra sternuit approbationem.

19

Nunc ab auspicio bono profecti

20

mutuis animis amant amantur.

21

Unam Septimius misellus Acmen

22

mavult quam Syrias Britanniasque,

23

uno in Septimio fidelis Acme

24

facit delicias libidinisque.

25

Quis ullos homines beatiores

26

vidit, quis Venerem auspicatiorem?