Vox-Latina-Gottingensis

Biographisches

zu Persönlichkeiten

der Antike

Horaz

Horaz (Q. Horatius Flaccus), 65 - 8 v. Chr.,

der neben Vergil der bedeutendste Dichter der Zeit des Augustus.

Geboren als Sohn eines Freigelassenen in Venusia an der apulisch-lucanischen Grenze.

Studium in Rom und Athen,

Teilnahme an der Schlacht bei Philippi (42) inBrutus' Heer,

Flucht, Verlust des väterlichen Besitztums durch die Proskriptionen,

Rückkehr nach Rom,

Tätigkeit als Schreiber bei der Qästur,

Vorstellung bei Maecenas, der ihm (etwa 33) einen Bauernhof in den Sabinerbergen schenkt; Ablehnung aller Bindungen. -

Sein schmales Gesamtwerk besteht aus

den Gedichten in lyrischen Versmaßen (Oden mit Carmen saeculare, Epoden)

und

den in daktylischen Hexametern (Satiren, Episteln).

Die zeitliche Folge der Veröffentlichung ist:

Satiren Buch 1,

Epoden,

Satiren Buch 2,

Oden Buch 1 - 3,

Episteln Buch 1,

dann 2,

Carmen saeculare,

Oden Buch 4.-

Die Oden haben zum Thema Liebe, Freundschaft, Trinkgelage, neben Alltäglichkeiten des Lebens Fragen aus Philosophie und Politik; Vorbilder sind Archilochos, Alkaios, Anakreon, Bakchylides; hohes römisches Staatsgefühl äußert sich in den sog. Römeroden (Buch 3, 1 - 6); im ganzen sind die Oden mehr Verstandes- als Gefühlsdichtung.-

Das Carmen saeculare dichtete Horaz im Jahre 17 im Auftrage des Augustus zur staatlichen Jahrhundertfeier, die den Beginn der neuen Friedensära bezeichnen sollte.

Die Epoden (von Horazselbst Iambi genannt) sind teils Schmähgedichte auf mißliebige Zeitgenossen, jedoch weit schonender als die des Archilochos, teils nähernsie sich in in Thema und Stimmung der Lyrik.-

Die Satiren (d. h. >>Gedichte vermischten Inhalts<<, auch sermones, Plaudereien, genannt) behandeln in Anknüpfung an Lucilius mannigfache Vorkommnisse aus dem Leben des Dichters, mit scharfer Beobachtung der menschlichen Schwächen und auch persönliche Verhältnisse.-

Die Episteln (von Horaz ebenfalls sermones genannt) erörtern in der Form von Briefen an Freunde (einer auch an Augustus) popularphilosophische Fragen, meist die nach dem Lebensglück, sowie Problemeder zeitgenössischen Literatur;

besonders berühmt der Brief an die Gebrüder Piso, die sog. Ars poetica, eine Poetik in unsystematischer Form, von bedeutender Nachwirkung.

H,' Stil ist ausgezeichnet durch Reichtum der Töne vom feierlichen Gesang bis zum anmutigen Plauderton,

die Sprache durch Treffsicherheit im Wortgebrauch und vollendet abgerundete Formulierung.

Text:

Fr. Klingner (Teubn. 31959);

mit Übers.: F. Burger-W.Schöne (Tusculum 1960)

Übers.:

Satiren Chr. M. Wieland (1782, jetzt in O. Weinreich, Röm. Satiren, 1949, 53-165)

Episteln ders. (1786)

die Lyrik R. A. Schroeder (1935)

Ars poetica H: Rüdiger (1961, m. Text) 

Quelle:

Tusculum Lexikon griechischer und lateinischer Autoren des Altertums und des Mittelalters völlig neu bearbeutet von Wolfgang Buchwald, Armin Hohlweg und Otto Prinz handbuch rororo, Reinbek 1974