Vox-Latina-Gottingensis

Biographisches

zu Persönlichkeiten

der Antike

Hippokrates

Hippokrates, um 460 - um 370 v. Chr., aus Kos, der Begründer der Medizin als Wissenschaft und berühmteste griechische Arzt.

Unter seinem Namen sind rund 130 Schriften erhalten; etwa die Hälfte von ihnen sind späte Fälschungen, die übrigen bilden das Corpus Hippocraticum; es enthält die Schriften, die seit dem 4. Jh. v. Chr. die Handbibliothek der Ärzte bildeten und den Grund zu der heute noch geltenden Terminologie legten; was von ihnen Hippokrates selbst gehört, ist schwer zu entscheiden.

Die Schriften enthalten

sowohl allgemeine Vorschriften (wie den berühmten Eid des Arztes)

als auch Krankheitsberichte (oft in Form von Notizen),

Diagnosen,

Prognosen,

Beschreibungen einzelner Leiden (darunter die bedeutsame Abhandlung über die >>Heilige Krankheit<<),

diätetische Anweisungen (auch für Gesunde).

Gemeinsam ist allen die Haltung strenger Wissenschaftlichkeit, die Ablehnung der Priesterpraktiken, die Anerkennung der Natur (Physis) als bester Helferindes Arztes und vor allem das hohe Berufsethos.

Die Schriften sind im jonischen Dialekt abgefaßt und je nach Entstehung und Zweck verschieden stilisiert.

Text:

M. P. E. Littré I-X (1839-61; einzige vollst. Ausgabe;

neuere Teilausgaben:

H. Kühlewein I. II (Teubn. 1894.1902

J. L. Heiberg, Corp. med. Graec. I 1 (1927) 

Übers.:

R. Kapferer - G. Sticker I-IV (1934 - 40)

W. Capelle (Auswahl) (5 auserles. Schriften 1956; Der wahre Arzt 1959)

Viele Proben auch bei W. Müri, Der Arzt im Altertum (Tusculum 31962) 

Quelle:

Tusculum Lexikon griechischer und lateinischer Autoren des Altertums und des Mittelalters

völlig neu bearbeitet von Wolfgang Buchwald, Armin Hohlweg und Otto Prinz

handbuch rororo, Reinbek 1974